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Festivalbericht:
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Gerade mal sechs Wochen Zeit von der spontanen, vagen Idee bis zur Realisierung. Das kann man sich nicht oft genug vor Augen führen, will man ermessen welch große Leistung hinter der Organisation und Durchführung dieses Festivals steckt. Man kann gar nicht anders als den beiden Initiatoren Roberto Palacios und Udo Gerstenmeier von CHINCHILLA großen Respekt zu zollen. Jedoch dürfen auch die unzähligen Personen und Organisationen, die den beiden unterstützend zur Seite standen nicht vergessen werden. Angefangen bei den Bands, über die Security, das Hallenpersonal und die Promotionpartner bis hin zu jedem einzelnen zahlenden Besucher... sie alle haben sich gemeinsam für eine gute Sache engagiert und auch wenn die Hilfsaktion für die Opfer der Flutkatastrophe in Asien letzen Endes nur ein kleiner Tropfen auf einen unendlich heißen Stein ist, die Metal Szene hat ein Zeichen gesetzt und deutlich gemacht, dass es trotz aller Alltagssorgen und Probleme vor der eigenen Haustüre eben nicht egal ist, was am anderen Ende der Welt passiert. We care!
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DOMAIN - REBELLION - CHINCHILLA - HOLY MOSES - BASTARDS PRIMAL FEAR - DESTRUCTION - FERDY DOERNBERG METAL CHURCH Die Pressekonferenz
So erfuhr man, dass das Festival ursprünglich in wesentlich kleinerem Rahmen lediglich mit SAXON, PRIMAL FEAR und CHINCHILLA geplant war, aber schließlich immer mehr Bands Interesse und Bereitschaft an einer Teilnahme bekundeten. Die Gelegenheit mit einem attraktiveren Line-up noch mehr Leute anzusprechen wollte man natürlich nicht ungenutzt lassen. Auf eine mögliche Kooperation mit dem 'Rock for one world'-Festival im März in Esslingen angesprochen, erklärten die Veranstalter das dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen wäre. Zum einen startete die Planung beider Veranstaltungen unabhängig und man erfuhr viel zu spät voneinander. Zudem wäre auch die Problematik aufgetreten, dass 'Rock for one world' eine Privatinitiative ist, während das 'Metal Forever' unter der Schirmherrschaft von 'Aktion Deutschland hilft e.V.' läuft. Man hoffe mit diesem Festival eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion für weitere ähnlich gelagerte Veranstaltungen im In-, vor allem aber auch im Ausland übernehmen zu können.
Die kurzfristige Absage von SAXON als Headliner aufgrund einer Erkrankung von Sänger Biff Byford wurde allgemein bedauert. Man hatte mit dem Gedanken gespielt, die Band trotzdem als Gäste vor Ort zu haben, damit diese zumindest für eine Ansprache an das Publikum verfügbar gewesen wäre. Von dieser Idee nahm man jedoch in allseitigem Einvernehmen Abstand um den Erlös der Veranstaltung nicht durch die daraus resultierenden Kosten zu schmälern. Schmier lobte zwar die allgemeine Hilfsbereitschaft und Unterstützung für die Organisatoren, äußerte aber auch deutliche Kritik am mangelnden Support der großen Printmedien. Dass Sachzwänge wie Redaktionsdeadlines und Veröffentlichungstermine für die aktuellen Ausgaben Werbung für die Veranstaltung unmöglich machten sei nachvollziehbar, doch dass man nicht in der Lage war eine Bannerwerbung auf den jeweiligen Homepages zu installieren, ein Aufwand von fünf Minuten, entzog sich seinem Verständnis. Ebenfalls verwundert zeigte er sich über das Verhalten von diversen Bands und Managements, die auf Anfragen bezüglich einer Teilnahme am Festival sofort mit finanziellen Forderungen konterten. Schmier hätte sich generell mehr Zusammenhalt in der Szene gewünscht und weniger von finanziellen Interessen geleitete Reaktionen. Bei seiner Kritik nahm er die anwesenden Medien ausdrücklich aus und lobte deren Engagement. Er wies auf die Chance hin, die solch ein Festival für die gesamte Heavy Metal-Szene bietet um positiv von der breiten Masse wahrgenommen zu werden, anstatt immer nur dann ins Gespräch zu kommen, wenn wieder einmal ein durchgeknallter Amokläufer, der ein paar Metal-CDs zu Hause hat, ein Massaker anrichtet.
Die Frage nach Benefizveranstaltungen vor Ort in Südostasien wurde unisono als derzeit wenig sinnvoll erachtet, schon gar nicht unter dem Aspekt Geld zu sammeln. Die Leute hätten momentan auch ganz andere Probleme als ein Rockkonzert zu besuchen. Schmier wollte Konzerte in Südostasien, immerhin eine Hochburg für Thrash made in Germany, zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen, bevorzugte aber die Variante dann auch außerhalb der Touristenzentren aufzutreten um die Musik zu den einheimischen Fans zu bringen. Einigkeit herrschte bei den anwesenden Musikern auch über die Motivation an diesem Festival teilzunehmen. 'Wir wollen helfen, und am besten können wir das als Musiker, in dem wir Musik machen. Der Konzertbericht
Der Schwerpunkt der Songauswahl lag auf den letzten drei Veröffentlichungen, lediglich I don't wanna die, Jahrgang 1989, mogelte sich dazwischen, doch der wuchtige Stampfer verkraftete die Abkehr vom Melodic Rock hin zum energischeren Heavy Rock ausgezeichnet.
Als letztes Stück gab es dann doch noch den wohl bekanntesten Song noch aus KINGDOM-Tagen Lost in the city, bei
dem dann auch die Keyboards stärker in den Vordergrund traten. Ein bisschen wirkte die Nummer wie ein Fremdkörper, aber
missen wollen hätte ich den Titel mit seinem an
Gary Moore und
EUROPE erinnernden Flair nicht.
Die Band agierte dazu auf der Bühne überaus agil, wirke sehr locker und entspannt und versprühte permanent gute Laune. Vor allem Bassist Tomi Göttlich war von einem ansteckenden Dauergrinsen im Gesicht befallen.
Für die Lokalmatadoren CHINCHILLA ging mit dem Auftritt in der Böblinger Sporthalle ein lang gehegter Traum in Erfüllung, hatten die Bandmitglieder hier doch schon unzählige Male Größen wie METALLICA, IRON MAIDEN oder DREAM THEATER selbst aus dem Publikum bejubelt. Zur Feier des Tages präsentierte die Band ein typisches Festivalprogramm, das keinerlei Rücksicht auf die Präsentation des aktuellen Albums "Take no prisoners" nahm und stattdessen zu einer abwechslungsreichen Rundreise durch die bisherigen Veröffentlichungen seit dem Jahr 2000 mit Schwerpunkt auf den aggressiveren Nummern einlud.
Doch auch ohne dieses besondere musikalische Leckerli für die Fans konnten CHINCHILLA wieder einmal als Liveband auf
ganzer Linie überzeugen, zumal Bassist Roberto auf der Bühne sich immer mehr als zweiter Aktivposten neben Sänger Thomas
Laasch etabliert. Das kommt der Band vor allem optisch sehr zu Gute.
Der Sound von HOLY MOSES ist mir dann doch etwas zu derb, zu unstrukturiert, zu wenig nachvollziehbar, und damit soll es dann aber auch gut sein.
Immerhin setzten HOLY MOSES nach drei eher dem Power Metal Genre zugehörigen Bands mal eine etwas andere stilistische
Duftmarke, die in der Sporthalle durchaus ihre Liebhaber fand. Die beiden abschließenden Nummern Hate is just a four
letter word und das DEAD KENNEDYS-Cover Too drunk to fuck fand ich dann nicht mal so übel, weil sogar für mich
halbwegs nachvollziehbar. Vielleicht hätten HOLY MOSES einfach noch etwas länger spielen müssen, damit ich mich doch noch
an sie gewöhnt hätte... andererseits: So richtig unglücklich war ich auch nicht, als es überstanden war.
Eigentlich eine kultige Angelegenheit. Fans gemeinsam mit einer Legende auf der Bühne. Von BLACKFOOT gibt es diese schöne Nummer A legend never dies. Da mag was wahres dran sein, aber auch eine Legende kommt in die Tage. 'Fast Eddie' stand halt auf der Bühne, spielte ein bisschen mit und das war es dann aber auch schon.
Sänger Claus gab dazu einen respektablen Lemmy ab, Stoiker Udo Gerstenmeier (CHINCHILLA) absolvierte seinen zweiten Auftritt an diesem Tag und der Ersatzdrummer für Klaus Sperling, der zeitgleich mit MY DARKEST HATE eine Bühne im Osten der Republik in Schutt und Asche legte, ließ auch nichts anbrennen.
Fazit: So als leichte Zwischenmahlzeit sind die BASTARDS immer zu empfehlen, und in einem winzigen Club kommen sie, wenn
man den nötigen Pegel hat vermutlich sogar schweinegeil... auch ohne 'Fast Eddie'.
![]() Aufgrund eines Kammeradefektes liegen leider keine PRIMAL FEAR-Fotos vor. Setlist: Final embrace, Batallions of hate, Angel in black, Running in the dust, Suicide and mania, Chainbreaker, Nuclear fire, Metal is forever PRIMAL FEAR, neben CHINCHILLA quasi die zweite Band mit einem Heimspiel, boten eine leicht abgespeckte und etwas umgestellte Version ihres Programms mit dem mich die Band im vergangenen Jahr bei ihren Auftritten beim Bang Your Head in Balingen und beim Deep Impact Festival in München begeistern konnte.
Eine zu hohe Erwartungshaltung meinerseits? PRIMAL FEAR im Rahmen der 'Devil's ground'-Tour vielleicht einmal zu oft gesehen? Mag sein, auch über die Songauswahl kann man immer und jedes Mal geteilter Meinung sein. Mir war sie dieses Mal zu vorhersehbar, ohne wirkliche Überraschungsmomente und meine Lieblingssongs wurden zudem nahezu komplett ausgespart.
Objektiv gab es an dem Auftritt jedoch wenig auszusetzen. PRIMAL FEAR boten einen repräsentativen Querschnitt ihres
bisherigen Schaffens und überzeugten als Liveband mit dem winzigen Schönheitsfehler, dass ich die Band einfach schon
wesentlich stärker erlebt hatte.
Mit diesem Auftritt von DESTRUCTION hatte ich es also geschafft nach SODOM und KREATOR nun auch die letzte mir noch fehlende Band der unheiligen deutschen Thrash-Dreifaltigkeit live zu erleben. Tja, und was soll ich sagen? Von den drei Bands haben mich DESTRUCTION am Meisten beeindruckt. Das mag durchaus daran liegen, dass die Band im Gegensatz zu meinen Open Air-Begegnungen mit SODOM und KREATOR auf die Unterstützung einer atmosphärisch stimmigen Lightshow zurückgreifen konnte. Vielleicht lag es aber auch einfach an der Qualität der Songs.
Ein unheimlich intensiver Auftritt, der deutlich machte, warum Thrash sich trotz all seiner stilistischen Limitierungen
seit zwei Dekaden ungebrochener Beliebtheit erfreut.
Ferdy hatte sich bereit erklärt seinen Set in zwei Teile zu splitten um Verzögerungen im geplanten Ablauf aufzuholen. Vielen Besuchern war dieser Stilbruch auf einem erklärten Metal-Festival dann doch eine Nummer zu heftig, doch diejenigen die es vorzogen ihren Flüssigkeitshaushalt am Bierstand auszugleichen verpassten wirklich einen der spannendsten und vor allem emotionalsten Auftritte des Festivals.
Durch die kurzfristige Absage von SAXON wurden METAL CHURCH, der kurzfristige Nachrücker für U.D.O., in die Rolle des Headliners gedrängt, eine Tatsache, die mir nicht ganz ungelegen kam, denn mein 'heimlicher Headliner' war die Band ohnehin, nachdem ich mit etwas Verspätung entdeckt hatte, welch starkes Album "The weight of the world" doch ist.
Von der relativ kurzen Spieldauer einmal abgesehen, bot die Band einen grandiosen Auftritt, der mit hochkarätigen Songs nur so gespickt war. Den Löwenanteil bildeten dabei neben dem jüngsten Album die beiden ersten Scheiben "Metal Church" und "The dark". Speedige Nummern wie Ton of bricks oder Metal Church standen einträchtig neben epischen Werken wie Gods of wrath oder Watch the children pray. Was will man denn mehr? Sunless sky, vielleicht...
Insgesamt war die Show eine überaus kurzweilige und hochklassige Angelegenheit, mit der METAL CHURCH einige Zweifler im
Publikum davon überzeugt haben dürften, dass mit ihnen - trotz einiger schwächeren Veröffentlichungen - immer noch,
oder zumindest wieder zu rechnen ist.
Schade, dass nur geschätzte 1500 Besucher anwesend waren, was sich sicherlich zum Teil mit den Bandabsagen, aber auch mit der für Fans mit längerem Anreiseweg kritische Wetterlage mit Schnee und Glatteis zurückführen lässt. Dennoch muss man von einer sehr gelungenen Veranstaltung sprechen, die ich hinsichtlich ihrer entspannten, stressfreien und sehr familiären Atmosphäre mindestens auf eine Stufe mit dem 'Bang Your Head' stellen möchte. Falls es also im nächsten Jahr eine Neuauflage geben sollte, dann solltet ihr euch die Chance bei einem für heutige Verhältnisse geradezu lächerlichen Eintrittspreis einen Tag lang für einen guten Zweck die Matte schütteln zu können, nicht nehmen lassen.
Martin Schneider, (Impressum,
Artikelliste), 28.02.2005
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